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Literatur


Erfahrungsbericht zur Rohloff-Schaltnabe

von Andreas Petzold, 7/2000

Wir haben eine der ersten "offiziell" als T-(wie Tandem)Versionen ausgelieferten Naben bekommen, Seriennummer ~ 3.500. Der Unterschied liegt lediglich in den etwas größeren Bohrungen im Nabenflansch und längeren Schaltzügen; Getriebe, etc. ist identisch.

Der Einbau kann fummelig sein, wenn man die Schaltzüge nicht wie von Rohloff vorgeschlagen über das Oberrrohr, sondern konventionell entlang des Unterrohrs, dann aber über die linke Kettenstrebe führen will. Zu spät gedacht hatten wir auch daran, dass man den Rohloff Drehschaltgriff, und nur den kann man verwenden, nur auf MTB Lenkern (wegen Innendurchmesser) und ohne Krümmung (wegen Länge der Hülse) verwenden kann. Inzwischen haben wir aber einen stabilen Randonneur gefunden, der auseinandergeschnitten und verstärkt wieder zusammen gesteckt den - aufgedrehten - Schaltgriff auf dem horizontalen Mittelstück trägt.

Zur Stabilität des Hinterrades gibt es von Rohloff eine vergleichende Tabelle, in der Momente wie Flanschdurchmesser, Symmetrie, Länge der Speichen, Anzahl der Speichenkreuzung, etc., quantifiziert werden. Ich kann das selber nicht bewerten, die Stabilitätswerte im Wiegetritt bei 32 Speichen liegen demnach aber im Bereich von einem Santana-Laufrad mit 40 Loch. Entgegen zumindest meines Laienverständnisses spielt die Speichenzahl eine lediglich nebengeordnete Rolle neben den offensichtlich ebenso wichtigen, anderen o.g. Parametern. Verbaut haben wir eine ordinäre Alesa Explorer mit DD Speichen. Eine andere stabile V-Felge mit 32 L und breit genug auch für 32 mm Reifen haben wir das Frühjahr über nicht bekommen. Solange die Felge hält, und nach 1000 km läuft das Rad wunderbar, bleibt sie drin.

Die tandemspezifische Funktion empfinden wir als hervorragend. Zwei einfache Rennkurbelsätze sind deutlich billiger als eine Tandemkurbelsatz. Auch über die Hinterradachse an sich braucht man sich keine Gedanken zu machen. Die ganz einfache Buchsenkette sollte ewig halten (ausserdem gegenüber stabilen 9fach Ketten eher ein Sonderangebot), und die normalen Rohloff Ritzel kann man sogar wenden. Ich bin als Captain zwar kein Grobmotoriker, schätze es aber inzwischen sehr, immer im richtigen Gang zu sein, und wenn man mal gepennt hat am Berg nicht erst ein Stück parallel fahren zu müssen, um vom großen auf eine kleineres Blatt zu kommen.

Am einfachen Touren- oder gar Rennrad wäre die Abstufung zwischen den Gängen vielleicht ein wenig zu grob. Zumindest wir brauchen am (Straßen-)Tandem aber gar keine enge Abstufung von nur einem oder zwei Zähnen. Die Schaltschritte der Rohloffnabe sind ideal, und vor allem linear, dem Empfinden nach immer gleichmäßig leichter / schwerer.

So weit so gut: Von 7 nach 6 schaltend hakt das Getriebe gelegentlich - besonders störend, weil das kritische Momente sind, in denen am Berg die Ehrfurcht der Singles in Häme wechselt (wenn auch nur bis zur Kuppe ...). TOTALE SCHEISSE (pardon) ist aber das Leerlaufloch von 10 nach 11, in das wir schon das ein um andere Mal gefalllllllllen sind. Von 10 nach 11 heißt oft Aufdrehen, Laufen lassen, ab die Post, und dann dieser Härtetest für die Pedalkupplungen. Unangenehm, gescheige denn gefährlich, besonders für die Fahrer knapp links und rechts von uns. Diese beiden Punkte stehen meinen Erfahrungen mit der Nabe auf meinem Alltagsrad total entgegen. Die schaltet butterweich, immer und überall. Mit den dritten Simmerringen ist sie jetzt auch dicht. Wenn sich das bei Tandennabe nicht bessert, werde ich Rohloff um eine andere Geriebeeinheit im Austausch bitten.

Im großen und ganzen empfinden wir sie aber als die nachhaltigste Verbesserung im Tandemfahren, noch vor 160er Hinterbauten und S&S-Kupplungen. Wetten, dass Santana binnen Jahresfrist ein schmaler gebautes Serienmodell mit Rohloff anbieten wird?


D. Bettge; letzte Änderung: 30.8.2000